Brumann Fischerei und Sportartikel AG

Neuseeland, Sommer 2011, von Béatrice Gabrini und Viktor Keller

Nach einem nassen Winter und einem Frühling mit heissen Temperaturen wie sonst nur im Februar ist hier auf der Südinsel Neuseelands der Sommer eingekehrt. Und mit ihm eine herrliche Trockenfliegenfischerei auf wunderschöne Bachforellen.
Zu Beginn der Saison haben wir die Fischerei als recht schwierig erlebt. Die Forellen waren äusserst heikel und mehr als einmal hat keines der vielen Muster, die wir den Fischen präsentiert haben, zum Erfolg geführt. Und immer wieder haben grosse Bachforellen schon beim blossen Anblick der daher treibenden künstlichen Fliege wie von der Tarantel gestochen das Weite gesucht.
Noch vorsichtigeres Anschleichen und 18ft Vorfächer haben das Blatt schliesslich zu unseren Gunsten gewendet. In den häufig glasklaren Flüssen ist es entscheidend, die Fliege nicht allzu weit vor den Fisch zu werfen, so dass nur die feinere Vorfachspitze im Sichtfenster des Fisches auf die Wasseroberfläche fällt.
West Coast
Bereits seit einigen Wochen sind nun die Zikaden aktiv - dank des warmen Frühlings einiges früher als üblich - und die Bachforellen lassen sich mit grossen Trockenfliegenmustern überlisten. Vor 10 Tagen, bei strahlend blauem Himmel, haben wir an einem unserer Lieblingsflüsse gefischt.
Nach einer guten halben Stunde entdecken wir in einem wohl 40m langen Pool einen tollen Fisch. Einige Zeit später hat auch der Wind ein Einsehen und die Fliege landet sanft am gewünschten Ort. Die Forelle schert aus, kehrt aber gleich wieder zu ihrem Standort zurück. Auch bei der zweiten Präsentation dasselbe Ergebnis. Fliege wechseln? Lass es uns noch einmal probieren! Die #14 Royal PMX (Parachute Madam X) an 18er Vorfachspitze trifft weich kurz vor dem Fisch auf. Keine Reaktion. Sch*** scho wider nüüt!
Oder doch? Die grosse Bachforelle dreht sich um, schwimmt langsam der abtreibenden Fliege nach und schiebt im Zeitlupentempo Ober- und Unterkiefer und den halben Kopf aus dem Wasser und über die vermeintliche Beute. Genauso gemächlich dreht der Fisch wieder in die Strömung und will zurück zu seinem Standplatz. Plötzlich das Gewicht der gespannten Schnur spürend, schiesst er mit ungeahnter Geschwindigkeit in Richtung gegenüberliegendes Ufer davon.
Das Flussufer, etwa 30m entfernt, ist gespickt mit Wurzeln und Treibholz. Ich versuche verzweifelt, die Forelle zu stoppen, aber erst starker Seitenzug lässt sie etwas langsamer werden. Als ich schon hoffe, sie nun in das offene Wasser führen zu können, zieht sie kraftvoll mit der Strömung flussabwärts.
Nur bitte nicht in die Stromschnellen unterhalb des Pools! Mit zittrigen Knien gebe ich so viel Gegendruck wie möglich. Ohne Erfolg!
Nun gibt's kein Halten mehr: Rute hoch und hinterher. Ich muss über den Fluss und bin 2-, 3-mal kurz davor, ein Vollbad zu nehmen.
Mein Fisch ist mittlerweile 80m unterhalb im nächsten Pool angekommen; der Höhenunterschied ist so gross, dass das Vorfach nun über die Steine schleift. Und schon ist es passiert: plötzlich ist der Zug weg und die Schnur hängt durch - ein intensives Gefühl der kompletten Leere überkommt mich für einen Augenblick und ich setze mich auf den erstbesten Stein.
Schliesslich raffe ich mich auf und hole die Schnur ein. Das Vorfach sieht aus wie von einer Kuh durchgekaut und ich kann den dicksten, einen halben Millimeter starken Teil ohne Weiteres zerreissen.
Wir fangen an diesem wunderschönen Sommertag 6 weitere Fische, alles Bachforellen zwischen 1.5 und 3 kg.
Auf dem Weg zurück zum Auto haben wir dann nochmals einen Adrenalin Schub. Direkt am Flussufer weidet eine Herde Wasserbüffel; wir haben mit dem mächtigen, aggressiven Bullen schon bei früherer Gelegenheit Bekanntschaft geschlossen und entsprechend die Hosen voll. Auf die andere Seite wechseln geht nicht und so schleichen wir geduckt im Wasser dicht am Ufer entlang an den Tieren vorbei.
Der Farmer grinst nur, als wir ihm berichten und erzählt uns, dass der Büffel vor kurzem drei Absperrungen niedergerissen und einen anderen Bullen getötet hat.
Spring Creek bei Hari Hari
2 Tage später sind wir an der Westküste unterwegs und fischen einen der vielbeschriebenen Spring Creeks in der Nähe von Hari Hari. Das Wasser ist kristallklar und der Gewässergrund mit Wasserpflanzen aller Art übersät; eine wunderschöne, vielfältige Unterwasserlandschaft und ein absolutes Fischparadies.
Das Wetter lässt uns an diesem Tag etwas im Stich; der Himmel ist bewölkt und immer wieder regnet es leicht. So sehen wir viele Fische nicht rechtzeitig und verpassen manche Gelegenheit.
Als die Sicht etwas besser wird, sieht Béatrice unter einem grossen Baumstamm, der schräg aus dem Wasser ragt, eine grosse Schwanzflosse hervor lugen. Ich kann es nicht lassen und setze dem Fisch oberhalb des Stammes die Fliege vor. Der Schwanz verschwindet und auf der anderen Seite taucht ein prächtiger Fisch auf und nimmt ohne zu Zögern und ohne Eile die Fliege, erneut eine Royal PMX.
Zu meinem Glück schiesst die Forelle nicht wie erwartet in ihren Unterstand zurück, sondern blitzschnell in die offene Strömung. Ich versuche, die Fliegenschnur unter Spannung zu halten, während ich hastig lose Schnur einhole. Kurz bevor es geschafft ist, wickelt sich die Schnur um meine Hand. Im selben Moment setzt der Fisch zu einer weiteren Flucht an und die 18er Vorfachspitze trennt sich von der Fliege. Na ja, selber schuld.
Wenig später sehen wir den nächsten Fisch und Béatrice präsentiert ihre Fliege mit einem toll gelungenen Schlangenwurf.
Die Bachforelle lässt sich zuerst nicht aus der Ruhe bringen, entschliesst sich dann aber anders, schwimmt einige qualvolle Sekunden der Fliege nach und nimmt sie schliesslich doch noch. Yiihaa!
Wasserpflanzen und Weidenbüsche machen den Drill nicht ganz einfach, nach einigen Minuten ist die 2kg Bachforelle aber sicher im Feumer. Was für ein schön gezeichneter Fisch.
Wenn das Wetter mitmacht, bleiben wir noch einige Zeit an der Westküste und fischen weitere der vielen Dutzend unberührten Flüsse und opfern den Sandfliegen etwas mehr Blut.
Mehr Infos zur Reise von Béa und Vik gibts auf: http://www.fishandfun.ch/