Bereits seit einigen Wochen sind nun die Zikaden aktiv - dank des warmen Frühlings einiges früher als üblich - und die Bachforellen lassen sich mit grossen Trockenfliegenmustern überlisten. Vor 10 Tagen, bei strahlend blauem Himmel, haben wir an einem unserer Lieblingsflüsse gefischt.
Nach einer guten halben Stunde entdecken wir in einem wohl 40m langen Pool einen tollen Fisch. Einige Zeit später hat auch der Wind ein Einsehen und die Fliege landet sanft am gewünschten Ort. Die Forelle schert aus, kehrt aber gleich wieder zu ihrem Standort zurück. Auch bei der zweiten Präsentation dasselbe Ergebnis. Fliege wechseln? Lass es uns noch einmal probieren! Die #14 Royal PMX (Parachute Madam X) an 18er Vorfachspitze trifft weich kurz vor dem Fisch auf. Keine Reaktion. Sch*** scho wider nüüt!
Oder doch? Die grosse Bachforelle dreht sich um, schwimmt langsam der abtreibenden Fliege nach und schiebt im Zeitlupentempo Ober- und Unterkiefer und den halben Kopf aus dem Wasser und über die vermeintliche Beute. Genauso gemächlich dreht der Fisch wieder in die Strömung und will zurück zu seinem Standplatz. Plötzlich das Gewicht der gespannten Schnur spürend, schiesst er mit ungeahnter Geschwindigkeit in Richtung gegenüberliegendes Ufer davon.
Das Flussufer, etwa 30m entfernt, ist gespickt mit Wurzeln und Treibholz. Ich versuche verzweifelt, die Forelle zu stoppen, aber erst starker Seitenzug lässt sie etwas langsamer werden. Als ich schon hoffe, sie nun in das offene Wasser führen zu können, zieht sie kraftvoll mit der Strömung flussabwärts.
Nur bitte nicht in die Stromschnellen unterhalb des Pools! Mit zittrigen Knien gebe ich so viel Gegendruck wie möglich. Ohne Erfolg!
Nun gibt's kein Halten mehr: Rute hoch und hinterher. Ich muss über den Fluss und bin 2-, 3-mal kurz davor, ein Vollbad zu nehmen.
Mein Fisch ist mittlerweile 80m unterhalb im nächsten Pool angekommen; der Höhenunterschied ist so gross, dass das Vorfach nun über die Steine schleift. Und schon ist es passiert: plötzlich ist der Zug weg und die Schnur hängt durch - ein intensives Gefühl der kompletten Leere überkommt mich für einen Augenblick und ich setze mich auf den erstbesten Stein.
Schliesslich raffe ich mich auf und hole die Schnur ein. Das Vorfach sieht aus wie von einer Kuh durchgekaut und ich kann den dicksten, einen halben Millimeter starken Teil ohne Weiteres zerreissen.
Wir fangen an diesem wunderschönen Sommertag 6 weitere Fische, alles Bachforellen zwischen 1.5 und 3 kg.
Auf dem Weg zurück zum Auto haben wir dann nochmals einen Adrenalin Schub. Direkt am Flussufer weidet eine Herde Wasserbüffel; wir haben mit dem mächtigen, aggressiven Bullen schon bei früherer Gelegenheit Bekanntschaft geschlossen und entsprechend die Hosen voll. Auf die andere Seite wechseln geht nicht und so schleichen wir geduckt im Wasser dicht am Ufer entlang an den Tieren vorbei.
Der Farmer grinst nur, als wir ihm berichten und erzählt uns, dass der Büffel vor kurzem drei Absperrungen niedergerissen und einen anderen Bullen getötet hat.